Norrtullsligan – Weibliche Junggesellen

Norrtullsligan zeigt den Alltag von vier Frauen, die sich in der Stadt mit Fabrik- oder Büroarbeit durchschlagen. Sie haben sich zu einer Wohngemeinschaft zusammengetan, in der sie gemeinsam kochen, feiern und sich gegenseitig in Not und Liebeskummer beistehen.
Der Film, Anfang der 1920er-Jahre gedreht, beruht auf einem Buch, das die Situation der Arbeiterinnen um 1900 schildert, daher unterscheidet er sich auch von jenen zahllosen Hollywood- oder auch europäischen Filmen, die das Bild der Neuen Frau verbreiten.
Das Buch stammt von Elin Wägner, einer Autorin und Aktivistin der schwedischen Frauenbewegung. Die Zwischentitel sind überwiegend Zitate daraus: hier, wie dann auch im Stummfilm, gibt es eine Erzählerin, eine der vier Frauen, aus deren Perspektive vom prekären Leben der Frauen berichtet wird. Der Ton ist, ohne die Schwere des Alltags zu überspielen, leicht, vielleicht besser gesagt, sachlich mit einem Einschlag von Humor oder Ironie. Pegg, die Erzählerin, wird wunderbar gespielt von Tora Teje, einer bekannten schwedischen Schauspielerin.
Der Film zeigt die Wohn- und Arbeitsverhältnisse, Innenräume, aber auch die weite Stadtlandschaft Stockholms. Er atmet Moderne, aber eine, die von unten aufgenommen wurde, aus der Wahrnehmung der Frauen, die sich in den veränderten Lebens-verhältnissen zurechtfinden müssen. (Karola Gramann, Heide Schlüpmann)

Live-Musik: Michaela Dietl, www.michaela-dietl.de

Carte Blanche für Karola Gramann und Heide Schlüpmann:
Karola Gramann und Heide Schlüpmann lieben das Kino. Sie haben es immer in all seinen Facetten genossen und durch ihre Arbeit zu seiner Vielfalt beigetragen. Dabei haben sie sehr unterschiedliche Perspektiven gesetzt. Seit Beginn der 1980er Jahre arbeiten sie zusammen, haben 1999 gemeinsam mit anderen die Kinothek Asta Nielsen in Frankfurt am Main gegründet, der sie beide bis heute verbunden sind.
Mit der neuen Leiterin der Kinothek, Gaby Babi, haben sie das seit 2018 stattfindende Festival Remake. Frankfurter Frauen Film Tage konzipiert und realisiert.
Sie waren und sind international tätig in der Programmarbeit, auf Festivals, im Schreiben, in der Lehre. Der Aufführungspraxis des Frühen Kinos, dem unabhängigen Kino, der Filmarbeit von Frauen gilt ihr besonderes Interesse.
Karola Gramann (1948) ist Filmkuratorin und leitete bis 2020 die Kinothek Asta Nielsen in Frankfurt am Main. Heide Schlüpmann (1943) ist Kinotheoretikerin und emeritierte Professorin für Filmwissen-schaft an der Goethe Universität Frankfurt.

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Spielzeiten

Sonntag, 5.11.2023, 15:30 Uhr Dienstag, 7.11.2023, 18:00 Uhr

Infos

SWE 1923
R: Per Lindberg
B: Hjalmar Bergman
P: Karin Swanström
D: Tora Teje, Inga Tidblad, Renée Björling, Linnéa Hillberg;
Stummfilm mit ZT;
mit engl. UT;
86 Min.

Category
2023, Bimovie 29, Spielfilm